Die Usedomer Literaturtage gehen kommende Woche vom 15. bis 18. April unter dem Thema „Grenz-Überschreitungen“ in ihre 17. Ausgabe. Autorinnen und Autoren wie Durs Grünbein, Andreas Englisch, Steffen Kopetzky sowie die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk werden in Lesungen und Gesprächen zeitliche, räumliche und sprachliche Grenzen überschreiten.
In diesem Jahr verleihen die Usedomer Literaturtage zwei Preise. Der mit 5.000 Euro dotierte Usedomer Literaturpreis 2026 geht an Clemens J. Setz in Ahlbeck. Der Preis ist zudem mit einem vierwöchigen Aufenthalt im Seetelhotel Ahlbecker Hof verbunden. 2026 überschreiten die Usedomer Literaturtage auch geografische Grenzen und beziehen den polnischen Teil der Insel ein: In Swinemünde wird erstmals der Usedomer Übersetzerpreis verliehen. Das Preisgeld von 3000 Euro teilen sich in diesem Jahr Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Die Juryvorsitzende Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk wird bei beiden Veranstaltungen anwesend sein.
Eröffnet werden die Usedomer Literaturtage am 15. April um 19:30 Uhr im Kaiserbädersaal in Seebad Heringsdorf.Von hier aus führt Steffen Kopetzky sein Publikum mit einer Lesung aus seinem Spionagethriller „Atom“gedanklich nach Peenemünde, einem historischen Schauplatz der V1- und V2-Waffenproduktion. Dort entfaltet er eine packende Geschichte über das Ringen um die erste Atombombe im Schatten des Kalten Krieges – verbunden mit den Figuren Hans Kammler und Wernher von Braun. Im anschließenden Gespräch mit Manfred Osten wird der Frage nachgegangen, was Wahrheit und Moral im Zeitalter fortschreitender Wissenschaft bedeuten.
Bereits vor der Eröffnungslesung wird um 17 Uhr im Foyer des Kaiserbädersaals in Heringsdorf die Ausstellung „Gestaltwandel“ von Denise Kretzschmar und Astrid Wölk (K&W) eröffnet. Auch hier geht es um Transformation, um das Überschreiten von Grenzen – zwischen Material und Idee, Vergangenheit und Gegenwart, Alltagsgegenstand und Kunstwerk. Für ihre Arbeiten nutzen Kretzschmar und Wölk vor allem sogenanntes „gelebtes Holz“ sowie Materialien von Baustellen, Trödelmärkten – Fundstücke aller Art. Aus diesen fragmentarischen Spuren von Nutzung und Zeit entstehen Kleinmöbel, Wohnaccessoires, Skulpturen und Installationen, die den ursprünglichen Charakter der Materialien nicht verleugnen, sondern bewusst sichtbar machen. Beide Künstlerinnen stammen von der Insel Usedom. Astrid Wölk ist zudem gemeinsam mit ihrer Tochter Ellen Wölk Ideengeberinnen für die Trophäen der Usedomer Literaturtage.
Am darauffolgenden Abend, ebenfalls um 19:30 Uhr, gewährt Andreas Englisch im Baltic Hotel in Seebad Zinnowitz gemeinsam mit Manfred Osten Einblicke hinter die Kulissen des Vatikans. Das eingespielte Duo setzt damit die Reihe der Papstgespräche fort. In seinem Buch „Leo XIV. – Der leise Mönch an der Spitze der Macht“ zeichnet Englisch mit Präzision und erzählerischer Kraft den Aufstieg des ersten US-amerikanischen Papstes nach. Als langjähriger Vatikan-Korrespondent öffnet er Türen zu sonst verschlossenen Konklaven und lässt Weggefährten zu Wort kommen.
Mit Durs Grünbein konnte einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller der Gegenwart für die Literaturtage gewonnen werden. In seinem Roman „Der Komet“ erzählt er am 17. April in Heringsdorfum 19.30 Uhr die Geschichte seiner Großmutter, die aus Schlesien nach Dresden zieht und dort zunächst ein bescheidenes Glück findet, bevor am 13. Februar 1945 Tod und Zerstörung über die Stadt hereinbrechen. Die Vorahnung dieser Katastrophe durchzieht den Roman wie ein feiner roter Faden. Im Gespräch mit Manfred Osten wird es auch um die Frage gehen, wie Geschichte diejenigen trifft, die selbst keine Stimme in ihr haben – ein Thema von beklemmender Aktualität angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
Zum Abschluss der Usedomer Literaturtage werden am 18. April zwei Preise vergeben: Der Usedomer Literaturpreis 2026 wird an den österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz um 11 Uhr im Ahlbecker Hof verliehen. Die Jury unter Vorsitz von Olga Tokarczuk würdigt „seine meisterhafte Prosa, die Elemente der Groteske, des Unheimlichen und der Science-Fiction verbindet, ohne dabei auf Humor zu verzichten“. In einer Lesung aus seinem Werk „Der Trost der runden Dinge“ gibt er Einblicke in seine außergewöhnliche und grenzüberschreitende Erzählweise. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und beinhaltet zudem einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt im Seetelhotel Ahlbecker Hof auf Usedom.
Erstmals findet eine Veranstaltung auch auf dem polnischen Teil der Insel in Swinemünde statt: Ebenfalls am 18. April wird dort um 17 Uhr im Interferie Hotel Medical SPA der mit 3.000 Euro dotierte Usedomer Übersetzerpreis erstmals verliehen. Er geht an Lisa Palmesund Lothar Quinkenstein für ihre Neuübersetzung von Bolesław Prus’ Roman „Die Puppe“. Die Jury hebt hervor, dass diese „meisterhafte Übertragung eines monumentalen Werks neue Maßstäbe in der Übersetzungskunst setzt und die ungebrochene Kraft literarischer Klassik eindrucksvoll sichtbar macht“. Zur Preisverleihung wird Olga Tokarczuk aus ihrem Essay über den Roman lesen. Gestiftet wurde der Preis vom Hotel Ewerdin in Swinemünde gemeinsam mit den Usedomer Literaturtagen.
Ein besonderer Ausblick gilt einer Sonderlesung im Rahmen der Usedomer Literaturtage: Angela Merkel wird am 10. September in Peenemünde aus ihrem Buch „Freiheit – Erinnerungen 1954–2021“ lesen. Es ist ihre einzige Lesung im Jahr 2026 in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben uns seit Jahren bemüht, Angela Merkel erneut nach Usedom einzuladen. 2018 war sie anlässlich des 25. Usedomer Musikfestivals auf der Insel zu Gast. Umso mehr freuen wir uns, dass es nun geklappt hat“, sagt Thomas Hummel, Intendant der Usedomer Literaturtage und des Usedomer Musikfestivals.
Tickets für alle Veranstaltungen: https://usedomer-musikfestival-ticketshop.reservix.de
