Verleih uns Frieden, Konzert anlässlich des Volkstrauertages
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin
Freitag, 13.11.2026 um 19 Uhr
„Verleih‘ uns Frieden“
Werke von Purcell, Schütz, Händel, Bach und Mozart
Konzert anlässlich des Volkstrauertages
Mit Philipp Mathmann, Countertenor / Soprano
Sebastian Heindl, Orgel & Chorleitung
Concerto Brandenburg, Kerstin Linder-Dewan (Geige)
Kammerchor Memoria der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
Florian Goldberg, Texte & Reflexionen
Zwei Tage vor dem Volkstrauertag möchte das Konzert „Verleih uns Frieden“ am 13.11. um 19 Uhr in der Berliner Gedächtniskirche ein hör-und fühlbares Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Entmenschlichung setzen. An einem Ort, der bis heute von Krieg und Zerstörung gezeichnet ist, lädt sie die Menschen ein, zusammenzukommen, zu gedenken und in der Folge gemeinsam zu gestalten.
Unter dem Titel „Verleih uns Frieden“ begegnen sich der Countertenor und Sopranist Philipp Mathmann, der Kammerchor Memoria der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Concerto Brandenburg und Kerstin Linder-Dewan (Geige) sowie der Organist und Kantor Sebastian Heindl zu einer musikalischen Kontemplation über grundlegende menschliche Lebensrealitäten angesichts von Bedrohung, Krieg und Gewalt.
Das Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche führt durch Werke von Purcell, Schütz, Bach und Händel bis hin zu Mozart. Es zeichnet den Weg von der Geburt des Kindes in ein Leben voller Zumutungen und Leiden bis hin zum Tod - und vielleicht darüber hinaus. Vom „Et incarnatus est“ aus Bachs h-Moll-Messe bis zu Mozarts „Laudate Dominum“ aus den „Vesperae solennes de confessore”.
Die Musik steht im Dialog mit poetisch-philosophischen Reflexionen des Berliner Autors Florian Goldberg (tauchgold).
Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Das Land ist bunter, diverser und zugleich komplizierter geworden. Wer oder was wäre denn heute das Volk, welches zu trauern aufgerufen ist? Aus welchen Menschen setzt es sich zusammen? Woher kommen sie und worüber trauern sie? Was gilt es zu bedenken und zu tun, damit unsere Gesellschaft zu einem Zusammenhalt findet, der uns nicht nur gemeinsam zu trauern, sondern eine gemeinsame, wünschenswerte Zukunft zu gestalten erlaubt? Solche Fragen drängen sich um so mehr auf an einem Ort wie der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die nicht nur Zeugnis früherer Zerstörung und Wiederaufbaus ist. Seit dem Terroranschlag am Breitscheidplatz mahnt sie auch an gegenwärtige Gewalt und gesellschaftliche Verwerfungen. Die Ruine der alten Kirche und der hoch aufragende Turm des modernen Neubaus stehen nebeneinander wie Frage- und Ausrufezeichen.
Den musikalischen Auftakt bildet das „Et incarnatus est“ aus Bachs h-Moll-Messe, das um die schmerzhaften ersten Erfahrungen des Neugeborenen kreist. In dem Auszug der Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ (BWV 21)verdichtet sich der Kummer über die Zumutungen des Lebens, während die Arie „Seufzer, Tränen, Kummer, Not“ den Umgang mit Verlust und Schmerz besingt. Choräle wie „Verleih uns Frieden“ von Heinrich Schütz oder Purcells „Remember not, Lord, our offences“ spiegeln den menschlichen Zwiespalt zwischen dem Wunsch, die Verantwortung an eine höhere Kraft zu übertragen, und dem Bewusstsein, für seine Geschicke selbst zuständig zu sein.
Diesen in Jahrhunderte alte Musikstücken eingebetteten Menschheitserfahrungen begegnet Florian Goldberg mit poetisch-paradoxen Interventionen, um zu Überlegungen anzuregen: Über unser je eigenes Erleben, unsere individuellen Bewältigungsstrategien beim Erinnern und Vergessen, unsere heutige Wirklichkeit in all ihrer empfundenen Rat- oder Hilflosigkeit, aber vor allem auch über unsere persönliche wie geteilte Verantwortung für das, was als Geschichte nicht nur hinter, sondern vor uns liegt.
Instrumentale Werke geben den Zuhörenden immer wieder klanglichen Raum zum Atmen, zur Reflexion und womöglich zum Widerspruch. Der unweigerliche Weg des Lebens zu Verlust, Tod und Trauer, den die ausgewählte Musik zeichnet, findet seinen Höhepunkt in Mozarts „Laudate Dominum“ aus den „Vesperae solennes de confessore“, der „Vesper eines Bekenners“. In diesem Gebet und Eingeständnis, Halt und Hoffnung aus der Transzendenz zu begehren, spiegelt sich das uralte menschliche Bedürfnis nach Führung in Zeiten tiefgreifender Unsicherheit. Ein Bedürfnis, das zwar verständlich, aber auch hoch problematisch ist, wie Florian Goldberg gemahnt. In unserer konfliktreichen Gegenwart könnte es geradewegs in neue Katastrophen münden. Händels „Tu del Ciel ministro eletto“ lässt daran anschließend eine leise Hoffnung auf Versöhnung sowie auf inneren und äußeren Frieden aufscheinen.
Zwei Tage vor dem Volkstrauertag möchte die Konzertinitiative ein hör-und fühlbares Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Entmenschlichung setzen. An einem Ort, der bis heute von Krieg und Zerstörung gezeichnet ist, lädt sie die Menschen ein, zusammenzukommen, zu gedenken und in der Folge gemeinsam zu gestalten.
Tickets:
20 Euro Eintritt (15 Euro ermäßigt) www.eventimlight.com/de/a/6859715cb0ce83431a271418/e/69dcdfa1033faf7a4fb2ceaa
Gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung.
